Heitje verneigte sich. "Danke werter Matzeg."
Doch Heitje wartete ewig und vergeblich. Weder Matzeg noch irgendjemand Anderes kam, um sie zu holen. Langsam stand sie sich die Beine in den Bauch. Was nun?
Da kam eine alte Frau aus dem Rurounianwesen und erblickte Heitje. Sie verneigte sich tief und erklärte dann der Besucherin, dass die Rurounis ausufernd gefeiert hätten. Sie zögerte, dann bot sie Heitje ein Nachtlager in ihrem Hause an, bemerkte aber verschämt, dass ihr Häuschen sehr armselig sei. Und sie hätte auch nur ein spärliches Abendessen zu bieten. Heitje verneigte sich vor der alten Frau ebenso tief. "Danke Mütterchen! Gerne nehme ich deine großzügige Einladung an und bin erfreut über deine Gastfreundlichkeit. Es ist meine Schuld, dass eure Herrschaften anscheinend bereits schlafen. Das war ein Überraschungsbesuch - tja, da muss man mit Überraschungen rechnen." Heitje lachte und die Alte lachte zaghaft zahnlos zurück. Nach einigem hin und her setzte Heitje die alte Frau auf Einohr. Die Alte fürchtete sich zuerst, da sie vorher noch nie auf einem Pferd gesessen hatte und Einohr auch keinen Sattel trug. Aber Einohr trug sie sicher zu ihrem Häuschen nahe dem Anwesen und die alte Frau strahlte. Das Haus war sehr ärmlich und Heitje sah sofort, dass das Dach repariert werden müsste. Einohr wurde in einem alten Schuppen untergebracht. "Na gut, dass ich nicht mein Paradepferd bei habe", dachte Heitje. "Einohr ist genügsam und mit allem zufrieden." Und als die alte Frau einen Arm voll frisch duftenden Heus herantrug und stolz Einohrs Hals tätschelte, sah Einohr Heitje glücklich an.
Im Haus beobachtete Heitje sorgenvoll, wie das Mütterchen alles Essbare herantrug, was sie hatte. "Morgen wirst du Sternengaukler bitten, dass Kiri das Haus der Alten instandsetzen darf. Und dass ihre Speisekammer wieder aufgefüllt wird." dachte Heitje bei sich. "Es ist Rurouniland, da kann ich nicht einfach jemanden herschicken." Sie aß mit Vergnügen das Nachtmahl mit der Alten. Es war lange her, dass sie so ein einfaches Essen zu sich nahm und es mundete ihr vortrefflich und weckte alte Erinnerungen. Doch als die alte Frau darauf bestand, dass Heitje ihr Futon zum Nachtlager nehme, da protestierte sie schärfstens. Sie erklärte der Alten, sie habe ein Rückenleiden und könne nur schmerzfrei auf dem harten Boden schlafen. Urplötzlich hatte auch die Alte dieses Rückenleiden. Beide sahen sich plötzlich an und begannen zu lachen. Die Sache war entschieden und Heitje machte es sich in einer Ecke des Hauses auf einer Decke gemütlich und bereit zur Nacht. Die alte Frau versprach noch Heitje, in aller Frühe zu Sternengaukler zu eilen und ihr den Besuch zu melden. Heitje streckte sich auf ihrer Decke aus, genoss den kühlenden Nachtwind, der durch die weitgeöffneten Fenster strömte, dachte an früher, stellte fest, dass sie diese sehr einfache Greisin sehr mochte und die bescheidenen Verhältnisse genoss. "Vergiss nicht das Dach" war ihr letzter Gedanke, bevor sie zufrieden einschlief.
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